Den Reisepass immer griffbereit

Autotour nach Armenien Teil 4: Reisepraktische Infos und Tipps

Nach einer Fahrt über Schotterpiste zum Kloster Tanahat in Armenien
Nach einer Fahrt über Schotterpiste zum Kloster Tanahat in Armenien

Hand aufs Herz, wann hast Du das letzte Mal im Auto vor einem Grenzübergang gewartet? Reisepässe und Autopapiere griffbereit, eingekeilt in einer langen Schlange zwischen LKW und PKW, in brütender Hitze oder bei Regen und Wind? 

Stehen wir hier richtig? Dauert es zehn Minuten oder eine Stunde? Werden wir durchgewunken oder lässt uns der Zöllner alles ausladen? Reisen innerhalb der Europäischen Union oder Fernreisen mit dem Flugzeug lassen uns vergessen, dass Staaten durch Landgrenzen voneinander getrennt sind, deren Überquerung oftmals mühsam, manchmal auch unmöglich ist – wie etwa zwischen der Türkei und Armenien. 

Keine Raststätte weit und breit - Autobahn in Nord-Griechenland
Keine Raststätte weit und breit - Autobahn in Nord-Griechenland

Auch andere Annehmlichkeiten, die für uns bei Autofahrten selbstverständlich sind, sucht man außerhalb Deutschlands bisweilen vergeblich, Raststätten beispielsweise. In Deutschland gibt es davon 440, dazu kommen 230 Autohöfe, habe ich erst kürzlich gelesen. Und Autobahnen sind bei uns, zumindest für PKW, nach wie vor kostenlos befahrbar. 

Auf unserer Fahrt durch Nordgriechenland im Mai 2023 kann man Tankstellen und vor allem Raststätten entlang der Autobahn an einer Hand abzählen. Wenn doch eine auftaucht, dann fragen wir kaum noch nach Preisen oder Sauberkeit – wobei wir zumindest in Sachen Sauberkeit zufrieden sind. Dafür dürfen wir gefühlt alle 20 bis 30 Minuten an einem Mauthäuschen anhalten und bei einer meist freundlichen blonden, sorgfältig geschminkten Griechin zwischen 90 Cent und 1,30 Euro Mautgebühr entrichten – wahlweise in bar oder mit Kreditkarte. Anfangs haben wir uns noch gefragt, warum so viele Griechen gleich nach der Mautstation an der Leitplanke ein Picknick machen, nach einigen Stunden wissen wir, warum.

 

Wenn Dich diese Einleitung nun nicht völlig abgeschreckt hat, sondern eher die Reiselust weckt, dann habe ich für Dich ein paar Tipps zusammengestellt, wie man eine Autotour plant, wie Wolfgang und ich sie im Mai 2023 von Deutschland über den Westbalkan, Griechenland, die Türkei und Georgien bis nach Armenien unternommen haben:

Vorbereitung braucht es für so eine Tour schon mehr als bei einer Pauschalreise, Navigation ist natürlich das A&O. In Sachen Etappenplanung, Versicherungen und an was man unterwegs sonst noch so denken sollte, haben wir inzwischen einige Erfahrungswerte. Dazu kommen Tipps speziell zur Türkei und zu Armenien, zur Buchung von Unterkünften und zu Reiseführern, die wir hilfreich fanden.

Vorbereitung

Mit dem Duster unterwegs in Bosnien-Herzegowina
Mit dem Duster unterwegs in Bosnien-Herzegowina

Ein passendes Fahrzeug in einem guten Zustand ist natürlich erst mal das Wichtigste für eine Autotour. Wolfgang fährt einen Dacia Duster, nun schon das zweite Exemplar, der sich für solche Fahrten als ebenso robust wie geländetauglich erwiesen hat. Einziges Manko, der Wagen hat kein Ersatzrad. Das hat Wolfgang daher extra gekauft und in den Kofferraum gelegt. In Deutschland auf dem Weg zum Supermarkt wäre das sicher übertrieben, aber auf einsamen Bergstraßen, bei denen man zwischendurch von 20 Kilometern Schotterpiste überrascht wird, sind wir froh über dieses Extra an Sicherheit. Der Duster war vor der Abreise auch noch mal in der Werkstatt und wurde gründlich gewartet.

Fotostopp unterm Schirm bei Regen in Montenegro
Fotostopp unterm Schirm bei Regen in Montenegro

Ein Besuch beim ADAC ist ebenfalls ein wichtiger Teil des Vorbereitungsprogramms: Hier hat sich Wolfgang nicht nur Infomaterial und Übersichtskarten besorgt, sondern auch Routenvorschläge mitgenommen und gleich noch einige Mautgebühren im Voraus bezahlt. Das macht die Fahrt durch Österreich gleich viel stressfreier. Nach jedem Grenzübertritt habe ich die Infoblätter des ADAC herausgezogen und wir haben uns darüber informiert, wie hoch die Tempolimits sind oder was es sonst noch an Besonderheiten im Straßenverkehr etwa von Montenegro zu beachten gibt.

Apotheke in Jermuk, Armenien
Apotheke in Jermuk, Armenien

Auch eine kleine Reiseapotheke habe ich zusammengestellt. Was man erfahrungsgemäß immer mal wieder braucht, sind z.B. Medikamente gegen Hals- oder Kopfschmerzen, Durchfall oder Sodbrennen, dazu Pflaster in diversen Größen und Desinfektions-Spray für kleine Kratzer. Klar bekommt man solche Dinge auch unterwegs, aber normalerweise überfallen einen kleinere Unpässlichkeiten entweder ganz plötzlich oder wenn man gerade in einer besonders einsamen Gegend unterwegs ist. Wenn man da schon mal etwas parat hat, kann man ja später den Vorrat immer noch auffüllen.

Wolfgang und ich haben uns also bei den Vorbereitungen und auch unterwegs gut ergänzt. Ich finde es daher generell besser, auf einer längeren Tour nicht allein zu reisen. Zu zweit oder in einer kleinen Gruppe ist das Reisen meiner Erfahrung nach praktischer und auch abwechslungsreicher. 

Ende April durch Österreich: Noch jede Menge Schnee auf den Bergen
Ende April durch Österreich: Noch jede Menge Schnee auf den Bergen

Wir waren im Mai unterwegs, was sich für unsere Route als eine wirklich gute Reisezeit herausgestellt hat. Im Frühjahr sind Gebirgsstraßen vielleicht noch unpassierbar, zudem ist um Ostern oft schon Saison. Im Juni beginnt die Sommersaison und die Hitze kommt. Wir hatten im Mai zwar unterwegs immer wieder mal Regen, aber der kann auch im April oder Juni fallen. Im Mai waren unsere Highlights wie Troja, Kloster Akhtamar und viele Sehenswürdigkeiten in Armenien noch wenig bis mäßig besucht und wir konnten entspannt unsere touristische Arbeit erledigen. Alternativ bietet sich der September an, zu dieser Zeit sind die Landschaften allerdings nach dem Sommer braun verbrannt und nicht mehr so wunderbar frisch und grün wie im Mai.

Navigation

Änderung der Straßenführung vor Sarajevo, Bosnien-Herzegowina
Änderung der Straßenführung vor Sarajevo, Bosnien-Herzegowina

Unsere Route hatten Wolfgang und ich vorher grob überlegt, anschließend im Detail mit Google Maps ausgeknobelt und in eine Excel-Tabelle übertragen. Online-Karten sind schon eine enorme Hilfe bei der Reiseplanung und auch unterwegs, wenn ich daran denke, wie wir früher mit dicken Atlanten und handgeschriebenen Zettelchen mit der Reiseroute losgefahren sind. Trotzdem würde ich auch heute auf „echte“ Offline-Landkarten nie verzichten wollen. Die Übersichtskarten vom ADAC haben uns in den Neunzigern in die Toskana gebracht und sind heute durch den Westbalkan und die Türkei immer noch hilfreich. Der Überblick ist einfach besser als auf einem Handy-Display, man kann Zwischenetappen schneller finden und auch Alternativrouten eher beurteilen. In Armenien waren wir offline mit der Landkarte des Reiseführers unterwegs, weil ich die schöne Armenien-Landkarte von Reise Know-How leider zu Hause liegen gelassen hatte. 

Google Maps war etwas "lost" in Dilijan, Armenien
Google Maps war etwas "lost" in Dilijan, Armenien

Wenn man Google Maps nutzt, sollte man wissen, dass die App ohne Internet-Verbindung nicht so gut funktioniert, auch wenn die Navigations-Daten vom Satelliten kommen. Es fehlen dann die aktuellen Informationen zur Strecke wie etwa Straßensperrungen oder Staus, auch die Navigation ist ein wenig ungenauer. Außerhalb der EU, wo es kein Roaming gibt, empfiehlt es sich also, ein Internet-Paket für ein paar Tage oder auch eine SIM-Karte für das Land zu kaufen. In Armenien gibt es für SIM-Karten direkt am Grenzübergang ein Angebot. Bei Durchfahrten durch kleine Länder auf dem Westbalkan, wo sich für wenige Stunden weder Karte noch Paket lohnen, sollte man vor der Abfahrt, wenn man in der Unterkunft noch Internet-Verbindung hat, die Karte für die nächste Etappe für die Offline-Nutzung auf das Handy herunterladen. Hier sind unsere Erfahrungswerte, dass dies mit einem Android-Handy viel einfacher funktioniert als mit Apple. 

Ob mit oder ohne Internet, Google Maps wird im Gebirge und auch in engen Gassen etwas unzuverlässiger. Plötzlich bekommt man die Aufforderung, rechts abzubiegen, obwohl es gar keine Abzweigung gibt. Ein Blick auf das Display zeigt dann, dass die App fälschlicherweise auf einer Parallelstraße unterwegs ist. Daher empfiehlt es sich, im Zweifelsfall eher der Landkarte und der Beschilderung oder auch dem eigenen Orientierungssinn zu vertrauen und nicht allein der App zu folgen. Ansonsten würden wir vielleicht immer noch im Kreis durch Tirana fahren …

Etappenplanung

Zwischenstopp in Alexandroupolis, Griechenland
Zwischenstopp in Alexandroupolis, Griechenland

Die Etappen hatten wir, wie bereits erwähnt, mit Google Maps vorgeplant und uns für die Zwischenstopps an den Reisezeiten orientiert, die die Anwendung angibt. Denn wir waren ja im Urlaub und wollten zu lange Fahrtzeiten pro Tag vermeiden. Dabei sollte man allerdings bedenken, dass Google Maps etwa für die Strecken vom Ohrid-See in Albanien über Griechenland bis nach Canakkale in der Türkei bei der Vorbereitung an einem Samstag Abend im Februar eine ganz andere Zeit ausspuckt, als wir an einem Samstag Morgen Anfang Mai tatsächlich benötigen würden. Denn neben der wechselnden Verkehrsdichte beinhaltet die Strecke zwei Grenzübergänge und unsere Erfahrung ist nun, dass eine Stunde zusätzlicher Puffer pro Grenzübergang eine gute Orientierung ist. Wir bauen also die Strecke von Albanien kurzfristig noch mal um und legen eine Zwischenübernachtung in Griechenland, kurz vor der griechisch-türkischen Grenze, ein. 

Grenzübergang Griechenland - Türkei
Grenzübergang Griechenland - Türkei

Spätestens nachdem wir diesen Grenzübergang zwischen Griechenland und der Türkei am nächsten Vormittag nach über einer Stunde, die meiste Zeit eingeklemmt zwischen Massen an LKW und nach unübersichtlich vielen Kontrollen endlich hinter uns haben, sind wir sehr froh, dass wir diese Prozedur nicht am späten Nachmittag nach einer langen Fahrt durchstehen mussten. In der Türkei angekommen, haben wir nun auch noch genügend Zeit und Energie, um Geld zu wechseln, Wolfgang besorgt sich zudem eine SIM-Karte für die Türkei.

Wenn man etwas länger unterwegs ist, braucht man erfahrungsgemäß neben Streckenkilometern und schönen Besichtigungen auch Zeit, um sich um solche organisatorischen Dinge kümmern zu können. Deswegen streichen wir auch aus dem ursprünglichen Programm in Armenien einen Zwischenstopp und bleiben dafür nach der Ankunft einen Tag länger in Gyumri. Denn auch Wäsche waschen nach zwei Wochen Reise klappt mit etwas Zeit dafür einfach besser und danach kann es entspannt und frisch weiter gehen.

Versicherungen

Wir sind gut versichert - auch bei Viehtrieb in Bosnien-Herzegowina
Wir sind gut versichert - auch bei Viehtrieb in Bosnien-Herzegowina

Für die Grenzübertritte hatte Wolfgang eine Bescheinigung seiner deutschen KFZ-Versicherung mitgenommen, die wir öfters vorzeigen mussten. In Georgien und Armenien muss man allerdings bei der Einreise eine separate KFZ-Versicherung erwerben. Das geht zwar direkt an der Grenze und man kann auch mit Kreditkarte bezahlen. Aber auch das kostet Zeit, bis man in der langen Schlange inmitten von LKW-Fahrern am Schalter endlich drankommt.  In Armenien kommt noch eine Einfuhrsteuer für das eigene Fahrzeug hinzu, für die man sich an einem weiteren Schalter anstellen darf.

Zwar zum Glück nicht auf dieser Reise, aber letztes Jahr habe ich auch das erste Mal meine Reisekrankenversicherung in Anspruch genommen. Diese hatte ich vor langer Zeit mal abgeschlossen und nie gekündigt, weil die zehn Euro pro Jahr nicht wirklich weh taten. Ein Sturz auf den Ellenbogen in der französischen Provinz, bei dem der Arm in einem französischen Landkrankenhaus zuerst geröntgt und die Wunde anschließend genäht wird, und ich habe die Beiträge der letzten zehn Jahre wieder drin. An Kündigung dieser praktischen Versicherung denke ich seitdem noch weniger.

Unterwegs

Unterwegs in Bosnien-Herzegowina
Unterwegs in Bosnien-Herzegowina

Wir sind gerade mal vier Tage unterwegs und fahren am 2. Mai spät nachmittags durch Bosnien-Herzegowina in Richtung Sarajevo, da blinkt zum ersten, aber nicht letzten Mal auf unserer Tour am Duster die Warnleuchte zum Reifendruck auf. Wir werden nervös, steht uns ein Platten bevor? Und dazu noch am Feiertag? Der 1. Mai wird in Bosnien-Herzegowina nämlich gleich zwei Tage lang gefeiert, wie uns die ADAC-Unterlagen verraten hatten. Wir hangeln uns von Tankstelle zu Tankstelle, um den Reifendruck prüfen zu können. Doch entweder gibt es in kleinen Anlagen keine Geräte dafür oder es sind so moderne Reifenfüllstationen, dass wir mit der Handhabung ohne Hilfe überfordert sind. Beides wird uns unterwegs immer wieder passieren, freundliche Tankwarte, die den Reifendruck checken, werden bald Wolfgangs beste Freunde.

Beim Reifenhändler in Sarajevo, Bosnien-Herzegowina
Beim Reifenhändler in Sarajevo, Bosnien-Herzegowina

An diesem Tag fahren wir ohne Prüfung bis Sarajevo und finden am nächsten Morgen dank Google Maps einen Reifenhändler in der Nähe des Hotels, der sogar etwas Deutsch kann, alle Reifen gründlich prüft, aufpumpt und die Warnleuchte zurückstellt. Letztendlich waren die Reifen nicht beschädigt, aber lange Fahrten, gerade im Gebirge oder über Schotterstrecken, führen dazu, dass sie etwas mehr Luft verlieren als normalerweise. Wolfgang fragt daher unterwegs immer mal wieder an der Tankstelle, ob man auch Reifendruck messen kann. So landen wir manchmal bei einer Reifenfüllstation hinter dem Gebäude oder im Hof nebenan und fahren anschließend beruhigt weiter. Die tragbaren kleinen Reifenfüller, wie wir sie in Deutschland kennen, haben wir unterwegs aber praktisch nirgendwo entdeckt, sondern nur die großen Stationen.

Morgens in Erzincan, Türkei
Morgens in Erzincan, Türkei

Ein weiterer Tipp lautet: Rechtzeitig tanken! Eigentlich klar, oder? Nun, auf unserer Etappe in der Türkei von Erzincan zum Van-See haben wir morgens laut Anzeige genügend Benzin, um mindestens an den See, wenn nicht sogar zum Hotel in Van zu kommen. Doch auf etwa der Hälfte der Stecke meint Wolfgang – mitten im Nirgendwo – dass wir auf den Serpentinenstrecken und Pass-Straßen sehr viel Benzin verbraucht haben und möglichst bald tanken sollten. Laut Google Maps kommt die nächste Tankstelle aber erst nach etwa 30 Kilometern. Wir fahren möglichst spritsparend weiter und hoffen, dass in einem Dorf unterwegs doch noch eine Zapfsäule auftaucht, die Google nicht kennt, dem ist aber leider nicht so. Stattdessen fahren wir durch einsame Weiler, die noch nicht einmal eine Moschee haben. Eine Moschee ist in der Türkei die Basis-Infrastruktur, die man sonst immer und überall findet, etwa auch an Tankstellen. Schließlich erreichen wir mit fast leerem Tank die nächste Kleinstadt und freuen uns sehr, dass die Straße in Richtung der Tankstelle, die wir schon in der Ferne sehen können, leicht abschüssig ist. Wieder eine Erfahrung gemacht, bei gebirgigen Strecken voraus immer besser mit vollem Tank losfahren.

Staubiger Duster beim Fotostopp in der Nähe des Klosters Makaravank, Armenien
Staubiger Duster beim Fotostopp in der Nähe des Klosters Makaravank, Armenien

Ansonsten ist Tanken auf dem Westbalkan, in der Türkei und in Armenien eine angenehme Sache, denn die Spritpreise sind niedriger als bei uns, praktisch immer kann man mit Kreditkarte zahlen und es gibt auch überall freundliche Tankwarte – die sich übrigens oftmals weigern, ein Trinkgeld anzunehmen. 

 

Dank Wolfgangs exakter Buchführung behalten wir die Kosten im Auge. Auf unserer Strecke nach und durch Armenien von ca. 5.500 Kilometern bezahlen wir etwa 80 Euro für Maut. 625 Euro kostet uns das Benzin, die KFZ-Versicherung in Armenien 24 Euro und in Georgien 5,50 Euro. Zur Ankunft nach vier Wochen in Yerevan gönnt Wolfgang dem Duster eine ebenso notwendige wie wohlverdiente Handwäsche innen und außen, diese schlägt mit 15 Euro zu Buche.

Kutsche kreuzt in Gyumri, Armenien
Kutsche kreuzt in Gyumri, Armenien

Zwischendurch haben mich Freunde gefragt, wie man sich bei den langen Autofahrten eigentlich die Zeit vertreibt und ob uns nicht langweilig war. Nun, Wolfgang war als Fahrer sowieso beschäftigt und ich hatte als Co-Pilotin – Navigation zu Tankstellen, Reifenhändlern, Cafés, Kloster-Ruinen, Festungen, Unterkünften, durch Umleitungen und mehr – zwischendurch auch immer mal wieder gut zu tun.

Wenn es nicht gerade regnete, war ich ansonsten mit Fotosafari beschäftigt, z.B. Kühe, Störche oder Schafe, spektakuläre Schluchten, Schneeberge, Papp-Autos oder Oldtimer. Ich finde es faszinierend zu erleben, wie sich die Landschaften ändern, zu sehen, wie die Leute leben, in den Dörfern oder Städtchen, all das zu durchfahren, worüber ich ansonsten nachts in knapp vier Stunden von Yerevan nach Frankfurt unsichtbar darüber fliege.

Zusätzlich ist unterwegs eine große, abwechslungsreiche Playlist ganz schön. Hier hätten wir im Nachhinein noch etwas großzügiger planen können, in der vierten Woche kannte ich Wolfgangs Lieblingsplatten ziemlich gut, beispielsweise Eartha Kitt.  


Hübsch dekorierter Cappuccino in Montenegro
Hübsch dekorierter Cappuccino in Montenegro

Für Abwechslung sorgt ansonsten noch die tägliche Suche nach einem Kaffee im Kampf gegen das Mittags-Tief. In Armenien ist das einfach, denn da kennen wir einige Lokale in der Provinz, in den Städten sowieso. Auch auf dem Westbalkan klappt die Kaffeeversorgung einwandfrei und ist dazu günstig. In der Türkei bin ich positiv überrascht, nachdem ich bei unserer Durchfahrt im Jahr 2018 noch tagelang ausschließlich Tee trinken musste. Tee gibt es natürlich immer noch, oft sogar umsonst. Aber das Kaffeeangebot, in Raststätten, Museen und auch in kleinen Cafés in der Provinz, gefällt mir im Jahr 2023 richtig gut, inklusive der Preise. Unser Rekord waren umgerechnet 3,33 Euro für zwei Cappuccinos – und das auf der Raststätte. 

Tipps für die Türkei

Der Duster wartet neben dem Hafen am Van-See, Türkei, auf uns.
Der Duster wartet neben dem Hafen am Van-See, Türkei, auf uns.

Ohne zusätzliche Zwischenstopps fährt man vier Tage von der griechischen bis zur georgischen Grenze durch die Türkei. Wir haben an den Dardanellen und am Van-See Besichtigungstage eingelegt, zudem ist es zum Van-See ein kleiner Umweg. Insgesamt waren wir so im Mai 2023 eine Woche in der Türkei unterwegs. Meist kommt man dort auf den mautfreien vierspurigen Schnellstraßen sehr bequem und zügig voran. Ab und zu fährt man durch größere, wuselige Ortschaften, was dann eine nette Abwechslung ist. 

Mautpflichtige Autobahnen gibt es – zumindest auf unserer Strecke – recht wenige. Im Hinblick auf die Autobahnen in der Türkei haben uns die ansonsten zuverlässigen Materialien des ADAC allerdings in die Irre geführt. Dort stand, dass man sich für die Autobahn eine Mautkarte, eine „HGS-Karte“ besorgen muss, diese gäbe es an Shell-Tankstellen, in Banken oder auf Postämtern. Das haben wir zwei Tage lang intensiv versucht, ohne Erfolg. Selbst wenn vor der Tankstelle noch groß ein „HGS“-Schild stand, kamen wir ohne Karte wieder heraus. Ein Bankangestellter in Canakkale erklärt Wolfgang, dass wir diese Mautkarte gar nicht benötigen, wir könnten auch mit Kreditkarte zahlen. Da aber in den ADAC-Unterlagen ausdrücklich steht, dass das nicht geht, glauben wir ihm erst nicht und suchen weiter nach der ominösen HGS-Karte. Schließlich lehrt uns die Erfahrung, dass der Bankangestellte doch Recht hatte, wir folgen an den Mautstationen dem Hinweis „Kartı“ und können dort direkt mit der Kreditkarte bezahlen.

 

Die Kommunikation auf Postämtern, in Handyläden oder in Banken klappt übrigens dank Google Translate ganz gut. Wir sprechen unsere Fragen in die App und diese spuckt die türkische Übersetzung aus. Wir nehmen die türkische Antwort auf und lesen anschließend die deutsche Übersetzung. Auch dafür lohnt sich eine SIM-Karte oder ein Internet-Paket. 

Duster auf dem Parkplatz des Doktorun Oteli - Kaplıca, Haymana, Türkei
Duster auf dem Parkplatz des Doktorun Oteli - Kaplıca, Haymana, Türkei

Denn wir treffen außerhalb der internationalen Hotels ansonsten wenig Leute, die Englisch können, dafür aber Deutsch-Türken im Urlaub. Sehr gut gefällt es uns in einem Kur-Hotel südlich von Ankara, in dem gefühlt die Hälfte der Gäste aus Deutschland kommt. Die Kurgäste, meist aus Berlin, sind begeistert, mitten in der anatolischen Provinz Landsleute zu treffen, die auch noch mit dem Auto angereist sind.

Polizeiauto-Attrappe in der Türkei
Polizeiauto-Attrappe in der Türkei

Unterhaltsam finden wir in der Türkei zudem die Polizeiwagen-Attrappen. Bei unserer ersten gemeinsamen Fahrt im Jahr 2018 sahen wir noch wenige davon. 2023 sind es schon viel mehr, davon einige inzwischen recht verblasst. Die neueren Modelle zeichnen sich durch einen dreidimensionalen Aufbau und blinkende Lichtinstallation aus. Bei meiner Fotosafari dieser Papp-Kameraden erwische ich daher ab und zu sogar echte Polizeiwagen. Es gibt also auch richtige Polizeikontrollen in der Türkei, nicht nur Attrappen.

Fahrt von Erzincan nach Van, Türkei
Fahrt von Erzincan nach Van, Türkei

Besonders augenfällig ist dies im Osten im Kurdengebiet. Rund um den Van-See fährt man alle zehn bis 20 Minuten in einen Kontrollposten. Dieser besteht aus rot-weiß bemalten Beton-Hindernissen davor, einer überdachten Kontrollzone, daneben einem Wachturm, verstärkt mit Sandsäcken, einem Schlagbaum und einer türkischen Flagge. Viele dieser Posten sind unbesetzt, aber das sieht man ja erst, wenn man hineinfährt. Immer wieder krame ich also die Pässe und Autopapiere hervor und packe sich danach meist gleich wieder ein. Wenn der Posten besetzt ist, werden wir, sobald die Polizisten erkennen, dass sie ein Auto aus Deutschland vor sich haben, durchgewunken. Einmal werden wir allerdings mitten in den Bergen doch angehalten und befragt. Etwa ein Dutzend bewaffnete Soldaten und Polizisten umringen unser Auto und wir müssen erklären, wo wir herkommen und hinwollen, auch unsere Papiere werden herumgereicht und inspiziert. Wolfgang fragt abends im Hotel in Van, warum es diese Kontrollen gibt, der Rezeptionist vermutet einen Zusammenhang mit der Wahl, die drei Tage später stattfindet. Ich glaube ja im Hinblick auf unser Erlebnis eher an eine Mischung aus Neugierde und Langeweile auf so einem einsamen Posten in den Bergen. In jedem Fall benötigt man den Reisepass in der Türkei nicht nur an der Grenze und beim Einchecken im Hotel, sondern sollte ihn auch sonst griffbereit haben.

 

Was ansonsten im Osten der Türkei rarer wird, sind Gelegenheiten für den Alkoholkonsum. Wir wundern uns zunächst, als der Rezeptionist im Hotel in Van bei der Aufzählung der Annehmlichkeiten des Hotels am Ende stolz hinzufügt „… and we do serve alcohol!“ Bald merken wir, dass wir in Restaurants und Bars in Van und auch in Kars ansonsten weder ein Feierabendbierchen noch ein Glas Wein bekommen. Im Hotel sind die Preise für solche exotischen Genüsse dafür umso höher. Im Auto heimlich mitnehmen sollte man Alkohol trotzdem nicht, denn danach fragen Zöllner nicht nur, sondern suchen ihn auch. 

Tipps für Armenien

Besser nicht zu schnell fahren, hier in Yerash, Armenien
Besser nicht zu schnell fahren, hier in Yerash, Armenien

Auch in Armenien gibt es viele Kontrollen, nämlich Kameras für Geschwindigkeitskontrollen. Einige meiner Freunde, die in Armenien mit Mietwagen unterwegs waren, erhielten ein paar Wochen später Post aus Armenien mit der Aufforderung, einen Strafzettel zu bezahlen. Das kann man auch online mit Kreditkarte erledigen und ich kann nur dazu raten, zu bezahlen, falls man vorhat, irgendwann wieder zu kommen. Denn unsere Einreise in Armenien im Mai 2023 beginnt damit, dass Wolfgang an der georgisch-armenischen Grenze eine Geldbuße aus dem Jahr 2017 (!) in Höhe von 10.000 DRAM, ungefähr 23 Euro, nachbezahlen muss. Die armenische Bürokratie funktioniert also zuverlässig und ist auch fair, denn trotz der langen Zeit fallen lediglich noch 300 DRAM (70 Cent) an zusätzlichen Bearbeitungsgebühren an. Wolfgang kann dies anfangs gar nicht glauben, erinnern sowieso nicht. Aber ein Blick auf ein Schwarz-Weiß-Foto seines ersten Dusters im Yerevaner Stadtverkehr überzeugen ihn, zu bezahlen. Wir hätten ja ansonsten auch nicht einreisen dürfen. 

Damit steht der wichtigste Tipp zu Autotouren durch Armenien schon mal fest, sich immer an die Geschwindigkeitsbegrenzungen von normalerweise 90 Km/h außerorts und 60 Km/h in den Ortschaften sowie an die Beschilderungen zu halten, auch wenn Armenier in Höchstgeschwindigkeit an einem vorbei rasen. Vielleicht haben sie nur zu viel Geld.

"Attention! Border Strip" - unterwegs nach Meghri, kurz vor der Grenze zum Iran
"Attention! Border Strip" - unterwegs nach Meghri, kurz vor der Grenze zum Iran

Im Hinblick auf die Kommunikation klappt Google Translate, dann im Sprachpaar Deutsch – Russisch, prima. Sätze wie „Ist der Reifen vorne links gut?“ versteht ein armenischer Reifenhändler auf Russisch auch in der tiefsten Provinz kurz vor dem Iran einwandfrei, so unsere Erfahrung. Ansonsten trifft man in Armenien auch mehr Leute als etwa in der Türkei, die etwas Englisch können, selbst wenn man erst einmal auf Russisch angesprochen wird. In der Hauptstadt sowieso, aber auch in den Provinzen. Und motivierte Deutschlerner gibt es in Armenien sogar in den entlegensten Teilen des Landes, wie ich es in meinem vorherigen Blog-Artikel beschrieben hatte.

Baustelle bei Sanahin, Armenien
Baustelle bei Sanahin, Armenien

In diesem Blog-Artikel hatte ich auch erwähnt, dass einige Strecken entlang der armenisch-aserbaidschanischen Grenze aus Sicherheitsgründen gesperrt sind bzw. es vom Auswärtigen Amt dafür Teilreisewarnungen gibt. 

Nahe dieser Grenze sollte man sich also vorher aktuell informieren, bevor man losfährt. Auch hier hilft eine Landkarte auf Papier, um diese Strecken anhand der Nummern genau zu identifizieren. 

Auch wenn man sich also ein wenig genauer überlegen muss, wohin man in Armenien mit dem Auto reisen will oder kann, so ist das Reisen an sich, mit einem passenden robusten Wagen, recht angenehm. In Armenien hat sich in den letzten Jahren im Straßenbau viel getan, die Schottersträßchen zu Kloster-Ruinen sind weniger geworden, viele Hauptstrecken in einem passablen bis guten Zustand. Anderseits wird an manchen langen Abschnitten dafür umso mehr gebaut, etwa von Yerevan nach Gyumri. Hier wird die Streckenführung für einen vierspurigen Ausbau komplett geändert, das zieht sich nun schon seit Jahren. Man fährt also immer mal wieder ein paar Kilometer Schotterstrecke durch Baustellen. Andere Straßen sind durch den LKW-Verkehr und die strengen Winter so sehr beansprucht, dass sie jedes Frühjahr saniert werden müssen. Dies ist besonders im Süden auf Serpentinen-Straßen der Fall. Wenn man vor der Sanierung kommt, kurvt man um die Schlaglöcher, während der Bauarbeiten um die Bagger und Bauarbeiter. Dafür ist Armenien ein kleines Land, etwa so groß wie Belgien, und das nächste interessante Ziel oft nicht weit. Armenien lässt sich also gut mit dem Auto entdecken – natürlich auch mit einem Mietwagen vom Flughafen aus. 

Unterkünfte

Tufenkian Avan Dzoraget Hotel, Armenien
Tufenkian Avan Dzoraget Hotel, Armenien

Grundsätzlich gibt es auf solch einer Autotour zwei Möglichkeiten zu übernachten: Man fährt spontan von Ort zu Ort und schaut unterwegs, etwa mit Tripadvisor, nach einer Unterkunft. So haben wir es 2018 bei unserer Autotour von Armenien nach Deutschland gemacht, was auch gut geklappt hat.

2023 haben wir die Quartiere vorgebucht, denn das fanden wir unterwegs noch etwas stressfreier. Dazu kommt, dass vor allem in Armenien außerhalb der Städte das Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten etwas begrenzt ist, zumindest wenn man von Glamping oder Unterkünften mit Gemeinschaftsbad nicht ganz so begeistert ist. Daher haben wir unsere Favoriten rechtzeitig reserviert, etwa Häuser der Tufenkian Heritage Hotels.  Auch das schöne Agriturismo im Norden Albaniens mit wenigen Zimmern wäre vermutlich spontan kaum noch buchbar gewesen. Wenn man also unterwegs mal ein außergewöhnliches Quartier erleben möchte, lohnen sich Recherchen und Reservierungen ein paar Monate vorher. Wenn man dabei auf Stornierungsfristen bis kurz vor der Anreise achtet, bleibt man für Planänderungen immer noch flexibel. 

Normalerweise habe ich für Reservierungen die gängigen Hotelportale genutzt, vor allem Booking, daneben auch Expedia und Agoda. Preisvergleiche lohnen sich dabei immer. In der Türkei bucht man z.B. über otelz.com manchmal billiger. In Armenien kann man diese Portale zwar auch nutzen, findet darüber aber nicht alle Unterkünfte und bekommt möglicherweise auch keine Zimmer mehr. Dann lohnt es sich, die Quartiere direkt per E-Mail anzuschreiben und auch nach Alternativterminen zu fragen. Denn viele Hotels stellen nur begrenzte Kontingente auf die Buchungsportale, den Rest vergeben sie direkt.

Reiseführer

111 Gründe, Armenien zu lieben
111 Gründe, Armenien zu lieben

Zu guter Letzt hier noch ein paar Lesetipps: Wolfgang hatte eine alte Ausgabe von „Albanien Reise Know-How“ dabei, die ich sehr interessant und hilfreich fand, um Land und Leute etwas kennenzulernen. 

 

Mein Favorit für Armenien ist das „Armenien Dumont Reisehandbuch“. Es beschreibt nicht nur Armenien sehr detailreich, sondern enthält auch einige Texte zu armenischen Baudenkmälern jenseits der armenischen Grenzen, etwa Kloster Akhtamar in der Türkei oder das Thaddäus-Kloster im Iran. Die letzte Ausgabe stammt aus dem Jahr 2020, das sollte man beachten und vielleicht ganz konkrete Angaben noch mal online überprüfen. Ansonsten ist dieses Buch in seiner Bandbreite an Themen und Sehenswürdigkeiten, Kontakten und Tipps, Bildern und Landeskundetexten nach wie vor sehr empfehlenswert. 

 

Mein Buch „111 Gründe, Armenien zu lieben“ ist noch etwas älter, geschrieben habe ich es 2019 und gerade im Hinblick auf reisepraktische Details ist es nun an manchen Stellen veraltet. Zudem ist es eher ein Lesebuch als ein Reiseführer – aber der Vollständigkeit halber erwähnt haben wollte ich es schon. In Armenien kann man es übrigens in Gyumri im Berlin Art Hotel kaufen, erst kürzlich ist dort Nachschub eingetroffen.

 

Im Herbst 2023 soll im Rother Bergverlag ein Wanderführer zu Armenien herauskommen. Der Erscheinungstermin ist schon mehrfach verschoben worden, ich hoffe, dass es nun im November klappt.

 

Mit diesem neuen Wanderführer im Gepäck möchte ich nächstes Jahr wieder nach Armenien aufbrechen und auf Entdeckungsreise gehen. Davon zu gegebener Zeit mehr.

 

Ende Mai 2023 bricht Wolfgang mit dem Duster zur Rückfahrt aus Armenien auf.
Ende Mai 2023 bricht Wolfgang mit dem Duster zur Rückfahrt aus Armenien auf.

 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Julia (Sonntag, 30 Juli 2023 21:27)

    Liebe Silvia, toller Beitrag! Vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht& Fotos: da will ich direkt "los" zu neuen Abenteuern :)
    Viele Grüße, Julia